San Giminano

  • 325m üNN, 7.800 Einwohner

Dem Symbolbaum der Toskana gleich stechen die schmalen Silhouetten der berühmten UNESCO-geschützten Türme San Giminanos in den Himmel und künden von einer Zeit voll offener Händel, hinterhältiger Intrigen, von Siegen und Niederlagen.

Seit 1990 ist das „Manhatten des Mittelalters“, die „Stadt der Türme“ im Val d’Elsa Weltkulturerbe, als herausragender Zeuge des Mittelalters mit einer vollständig erhaltenen und stimmigen Altstadt, die das urbane Leben der damaligen Zeit spiegelt. Tatsächlich jagen wohlige Schauer den Rücken hinab, steht man in den Gassen und auf den Plätzen, den Kopf im Nacken, um die Fassaden aus Ziegelwerk und Bruchstein zu bewundern und die Höhe der schlanken Wohntürme zu ermessen. Ein Wermutstropfen: San Giminano gehört zu den meistbesuchten Städten Italiens – in Augenhöhe mit Florenz und Pisa. 3 Mio. Touristen verstopfen übers Jahr gesehen die Gassen, 20.000 Busse und 1 Mio. Autos die Landstraßen. Die beste Besuchszeit im Sommer ist definitiv der frühe Morgen!

Geschichte

Am ehemaligen Platz einer etruskischen Siedlung im Val d’Elsa entstand im 8. Jh. San Giminano als Pilgerstation am Frankenweg. Da jeder nach Rom wollte, entwickelten sich ein Dorf und schließlich eine Stadt. Ab dem Jahr 929 schützen die Bischöfe von Volterra San Giminano und sorgten für die Errichtung eines ersten Befestigungswalls.

1199 revolvierten die Bewohner und schufen sich eine eigene Stadtrepublik, die mit Stoffweberei und Safrananbau für die Färbung der Tücher zu Wohlstand gelangte.

Im 13. Jh. entstand die 2 km lange Stadtmauer in ihrer heutigen Form, rege Bautätigkeit goss den Reichtum in Stein. Doch dem großen rat der Stadt (dem immerhin 1/4 der Bürger angehörte) misslang, die ansässigen Adligen zu versöhnen. Guelfen und Ghibellinen kämpften immer erbitterter. Um ihre jeweiligen Familien – ihr Geschlecht – zu schützen, errichteten sie die leicht zu verteidigenden Geschlechtertürme. 72 sollen es einmal gewesen sein.

Was der Rat nicht schaffte, der Pest gelang 1348 eine Art der Befriedigung. Doch mehr oder weniger entvölkert, fand San Giminano, ab 1353 Besitz des Florenz der Medici, nie mehr zum ursprünglichen Punkt zurück. Viele Generationen mögen darob verzweifelt sein, die heutige dankt es. Da keiner an der Stadt interessiert war, blieb sie so, wie sie einmal war – pures Mittelalter, heute Hotspot des internationalen Tourismus, auch wenn nur noch 14 Türme stehen (zzgl. des Campanile der Stiftskirche und der – als nicht-klassischer Geschlechterturm – meist nicht mitgezählten Casa-Torre Pesciolini).

QUELLE: REISE KNOW-HOW, INTERNATIONALES ENTDECKEN, REISEFÜHRER VON DANIELA SCHETAR UND FRIEDRICH KÖTHE, S.424

Persönliche Erfahrung

Ich hatte leider etwas Pech mit dem Wetter, aber selbst im Regen ist diese Stadt wunderschön. Richtig original Toskana. Trotz Massen an Touristen auf jeden Fall einen Besuch wert!